Mobilität

Mobilität wird bis heute gerne mit Freiheit, Flexibilität und Unabhängigkeit assoziiert. Sie ist in diesem Verständnis Gradmesser für Modernität, wenn es darum geht, den heutigen Anforderungen an Beweglichkeit gerecht zu werden. Der Philosoph Zygmunt Baumann bringt es wie folgt auf den Punkt: „Modern sein bedeutet, in Bewegung zu sein.“ Mobilität wird meist positiv gedacht. Sie kann Chancen eröffnen – insbesondere denjenigen, die über die notwendigen finanziellen, kulturellen und sozialen Ressourcen verfügen, um Mobilität angenehm und vor allem selbstbestimmt gestalten zu können.

Zunehmende eigenständige Mobilität ist auch integraler Bestandteil des Heranwachsens, angefangen vom Erlernen physischer Fortbewegungsmöglichkeiten bis schlussendlich zur Nutzung motorisierter Verkehrsmitteln. Gerade für Jugendliche bedeutet Mobilität auch eine Loslösung von den Eltern und die Möglichkeit, die eigene Alltagsgestaltung stärker selbst zu übernehmen. Dabei ist die Abwägung verschiedener Mobilitätsalternativen jedoch geprägt von begrenzten Finanzmitteln und der Zustimmung der Eltern. Naheliegend ist die Annahme, dass dies insbesondere für Jugendlichein ländlichen Regionen gilt, in denen der öffentliche Personenverkehr weniger gut ausgebaut ist.

Die SINUS-Jugendstudie 2016 zeichnet nach, welche Mobilitätsentscheidungen junge Menschen heute treffen bzw. in Zukunft treffen wollen und auf welche Herausforderungen sie dabei stoßen. Deshalb wurde zunächst ermittelt, wie junge Menschen Mobilität allgemein erleben. Daneben war es Aufgabe der Studie herauszufinden, wie die heute 14- bis 17-Jährigen ihren Mobilitätsalltag bewältigen, welche Verkehrsmittel sie nutzen und wie sie diese bewerten. Von Interesse ist dabei auch, ob sie verkehrsmittelpragmatisch und situationsabhängig auswählen und mehrere Fortbewegungsmittel kombinieren (Stichwort „Multimodalität“).

Wir haben die Jugendlichen auch gefragt, wie sie den öffentlichen Personenverkehr erleben, ob sie den Führerschein machen wollen und die Anschaffung eines PKW planen, was sie über Carsharing denken und schließlich auch, was für sie das ideale Verkehrsmittel ist.

Neben der Digitalisierung des Alltags sind auch Veränderungen wie die Verlängerung von Ausbildungszeiten und das Hinauszögern der Familiengründung wichtige Rahmenbedingungen des Mobilitätsverhaltens junger Menschen. Vor diesem Hintergrund war es folgerichtig, Mobilitätsverhalten nicht isoliert, sondern im größeren Kontext ihrer lebensweltlich geprägten Gewohnheiten, Wünsche, Ziele und Werte zu betrachten. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier der Frage, wie Jugendliche die zunehmenden Mobilitätsangebote im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft im Kontext ihrer gesamten Lebensplanung wahrnehmen und bewerten.

Ohne Zweifel haben die in den letzten Jahren stattgefundenen Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten vor allem der jungen Menschen. Daraus muss nicht folgen, dass die Bereitschaft zu physischer Mobilität generell zurückgeht. Eine andere mögliche Konsequenz wäre die Öffnung des Horizonts vieler Jugendlicher, also eine Zunahme ihrer „mentalen Mobilität“. Wie groß dabei in den verschiedenen Lebenswelten die Bereitschaft und der Wunsch sind, andere Teile der Welt heute und in Zukunft über Reisen zu entdecken, untersucht der vorletzte Teil dieses Themenkomplexes.

Im Hinblick auf neue Technologien wird gerne unterstellt, dass junge Menschen per se über höhere technische Kompetenzen verfügen und Neuerungen schneller annehmen. Studien zu den digitalen Lebenswelten junger Menschen haben jedoch schon gezeigt, dass es hier große Unterschiede innerhalb der Altersgruppe gibt. Daher widmet sich dieser Themenkomplex abschließend auch der Frage, wie in den jugendlichen Lebenswelten Zukunftstechnologien im Bereich Mobilität, konkret selbstfahrende Autos, aufgenommen werden.