Digitale Medien und digitales Lernen

Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber des aktuellen Wertewandels und sozialer Transformationsprozesse. Gerade aufgrund des hohen Entwicklungstempos technischer Neuerungen und der Konsequenzen für zentrale gesellschaftliche Bereiche (Arbeitswelt, Bildung, Erziehung, Kommunikation, Alltagsorganisation, Mobilität etc.) sind die Auswirkungen umfassend und betreffen fast alle Facetten unserer Lebenswelt. Auch im Alltag von Jugendlichen sind digitale Medien heute nicht mehr wegzudenken. Sie nutzen nicht nur diverse Angebote und Services – sie leben online.

Inwieweit aber hat die Digitalisierung soziale Implikationen für das Heranwachsen von Jugendlichen? Um dieser Frage nachgehen zu können, ist ein breites Verständnis des digitalen Alltags von Jugendlichen erforderlich. Es reicht nicht, Aktivitätsmuster zu erfassen (wer macht was wann, wie oft und wo); von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, wie Jugendliche selbst ihr digitales Leben beschreiben und bewerten und vor allem: warum ihnen bestimmte Medien bzw. Geräte so wichtig sind und was genau ihren Wert ausmacht.

In diesem Zusammenhang wird auch die Frage immer relevanter, ob und wie digitale Medien in der schulischen wie auch außerschulischen Bildung eingesetzt werden bzw. werden sollten. Dabei geht es aber nicht nur um das Lernen mit digitalen Medien, sondern auch das Lernen über digitale Medien, d. h. um den Erwerb zentraler Kompetenzen für einen selbstbestimmten, aktiv gestaltenden Umgang mit ihnen, jenseits reiner Rezeptionvon Online-Angeboten und Services. Ein weiterer Schwerpunkt der SINUS-Jugendstudie 2016 wird daher auf den Bereich Medienkompetenz und „Digitales Lernen“ gelegt. Auch der Blick auf mögliche Veränderungen von Bildungszielen und -chancen ist hierbei von enormer Bedeutung, denn dies entscheidet wesentlich darüber, wie nachfolgende Generationen Wissen erwerben, verarbeiten und weitergeben. Lernen – ob zu Hause oder in der Schule – findet immer selbstverständlicher mit bzw. via digitale Medien statt. Haben aber alle gleiche Möglicheiten, im digitalen Alltag zu bestehen? In den einschlägigen Medien wird gerade Chancengerechtigkeit als besonderes Potenzial hervorgehoben: Das Internet verspräche Mitbestimmung, Transparenz und Kooperation. Aber ist digitale Chancengerechtigkeit bereits Realität in jugendlichen Lebenswelten? Oder schreibt die Digitalisierung bestehende soziale Ungleichheiten fort? Diesen Fragen geht die Studie "Wie ticken Jugendliche 2016?" nach und legt dar, wie sich die persönliche Medienkompetenz aus Perspektive der Jugendlichen zusammensetzt und auf welche Art und Weise digitale Medien v. a. beim Lernen eingesetzt werden.