Unsere Autoren #4: Berthold Bodo Flaig

Bodo Flaig hat sich, mit seinen jetzt 67 Jahren, allmählich vom Jugendalter entfernt. Immerhin hat er 3 Kinder und 3 Enkel, die das relevante Altersspektrum von „Jugend“ repräsentieren.

Er ist einer der Väter der Lebenswelt- und Milieuforschung von SINUS, in deren ethnografisch-verstehender Tradition auch die Jugendstudien des Instituts stehen. Schon bei der letzten SINUS-Jugendstudie 2012 war er Mitautor.

Seit er sein Studium der Psychologie und Philosophie Mitte der 70er Jahre abgeschlossen hat, arbeitet er für SINUS und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem soziokulturellen  Wandel und den vielfältigen Wertorientierungen, Lebensstilen und ästhetischen Präferenzen der Menschen. Dabei hat er den Leitsatz geprägt: „Nur wer versteht, was die Menschen  bewegt, kann sie auch bewegen.“ Seit 1991 ist Bodo Flaig Geschäftsführer und leitet heute das SINUS-Institut gemeinsam mit Manfred Tautscher.

Wovon war deine eigene Jugendzeit geprägt? Das war die Zeit der APO, der K-Gruppen und Spontis, die alle weitreichende Visionen zur Verbesserung der Gesellschaft und der Menschheit hatten. Ich selbst habe mich damals eher der Hippie-Fraktion zugerechnet.

Und worum ging es den Hippies? Ganz entspannt im Hier und Jetzt – wie es später mal jemand auf eine Formel gebracht hat. Das gilt für mich eigentlich auch heute noch.

Für die SINUS-Forschung gilt das nicht ganz, die will ja durchaus etwas bewegen. Haben denn 30 Jahre Milieuforschung und 10 Jahre Jugendforschung von SINUS in der Gesellschaft, in der Politik oder in Unternehmen etwas bewirkt? Das SINUS-Institut hat an Renommee gewonnen und gute Geschäfte gemacht. Spaß beiseite: Was sich nach meiner Einschätzung wirklich verändert hat, in der Wirtschaft wie in der Politik, ist das gewachsene Bewusstsein für die Vielfalt – die Erkenntnis, dass die Bürger oder die Konsumenten keine homogene Masse sind, sondern dass ihre milieuspezifischen Sichtweisen und Bedürfnisse ihr Verhalten bestimmen, und dass man diese Vielfalt ernst nehmen muss, wenn man Erfolg  haben will.

Und was gilt umgekehrt: Hat die Milieuforschung und speziell die Jugendforschung SINUS verändert? Ja, auf jeden Fall. Das Institut ist dadurch mental jünger geworden, und auch innovativer, was Herangehensweisen und Methoden betrifft. Anders gesagt – auch wenn wir jeden Tag älter werden, glauben wir fest daran: das Beste kommt noch!

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