Unsere Autoren #3: Dr. Silke Borgstedt

Silke Borgstedt hatte in den letzten 15 Jahren recht unterschiedliche Berührungspunkte mit Jugendlichen. Als Musikwissenschaftlerin ging sie Ende der 90er Jahre dem persönlichen Musikgeschmack und zugehörigen Fankulturen auf den Grund, z.B. durch Befragungen bei Konzerten von Slayer, Modern Talking, REM oder Chicks on Speed. Sie promovierte 2007 über das Phänomen „Star“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Research Manager in der Marktforschung erkundete sie seit 2005 jugendliche Produktwelten für international führende Markenhersteller. Seit 2009 ist sie am SINUS-Institut tätig und begegnet Jugendlichen hier vor allem im Kontext ihrer familiären Zusammenhänge und mit Blick auf spezifische Fragestellungen, z.B. Engagementbereitschaft, internationale Mobilität oder digitale Lebenswelten. Im Autorenteam der SINUS Jugendstudie ist sie 2016 das erste Mal dabei und bringt insbesondere ihre Kenntnisse im Bereich der Mediensozialisation und Nachhaltigkeitsforschung ein.

Zwischen 14 und 17 war ich... am gemäßigten Rand  der Experimentalistischen Hedonisten – möglichst viel Neues ausprobieren, ohne aus dem sozialen Gefüge eines 500-Seelen-Dorfes rauszufallen.

Jugendliche heute: Digital Natives oder digital naiv? Da sieht es bei den Jugendlichen nicht anders aus als bei den Erwachsenen: Die digitalen Lebenswelten sind vielfältig und es gibt die versierten Onliner, die sich über Sicherheitsaspekte viele Gedanken machen, aber genauso diejenigen, denen das völlig egal ist oder die sich generell unsicher im Netz fühlen und wenig online sind.

Gibt es etwas, worum du Jugendliche von heute beneidest? Dass sie nicht mehr 2km im Regen mit dem Rad zur nächsten Telefonzelle fahren müssen, um mal kurz den Freunden etwas – mehr oder weniger – Wichtiges mitteilen zu können.

Und etwas, worum du sie gar nicht beneidest? Das Gefühl, immer einen Plan haben zu müssen.

Du beschäftigst dich viel mit Trendforschung. Welche Rolle spielen Jugendliche da und gibt es umgekehrt Aspekte, die Jugendliche besonders betreffen? Jugendliche sind als Seismograph für die gesellschaftliche Entwicklung eine enorm wichtige Gruppe. Was Jugendliche „anders sehen“ als Erwachsende kann ein erstes Anzeichen für einen Wertewandel sein. Die Aufgabe empirischer soziokultureller Trendforschung besteht dann vor allem darin, einschätzen zu können, welche Unterschiede lediglich auf die Lebensphase zurückzuführen sind und welche tatsächlich einen neuen Trend einläuten.

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