Wir lieben Herausforderungen

Empirische Forschung am „Forschungsgegenstand Mensch“ ist immer eine Expedition mit offenem Ende. Die Forschungsinstrumente und Methoden müssen gut erdacht und geprüft worden sein, letztlich entscheidet sich erst unterwegs im Feld,  welche neuen Erkenntnisse sie bringen werden.

Für die Jugendforschung gelten dabei ein paar besondere Rahmenbedingungen:

  • „Die Jugend“ gibt es nicht. Das fängt schon dabei an, dass diese Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter nicht mehr klar per Altersbegrenzung definiert ist, vor allem nach oben verschiebt sich die Altersgrenze immer mehr. Das Jugendverständnis der SINUS-Jugendstudie lehnt sich u. a. an die juristische Definition an, nach der Personen als Jugendliche gelten, die 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind. In dieser Phase sind sie keine Kinder mehr, haben aber noch nicht die Rechte und Pflichten eines Erwachsenen. Sie leben i. d. Regel noch bei ihren Eltern und der Eintritt ins Berufsleben hat noch nicht stattgefunden, so dass sie auch ökonomisch noch von den Eltern abhängig sind. Dennoch bilden sie bereits eigene Wertehaltungen, Vorlieben, Zukunftsvorstellungen usw. aus.
  • Jugend ist eine sehr dynamische Lebensphase, die historischen Veränderungen unterliegt. Und die haben sich v.a. durch die Digitalisierung enorm beschleunigt. Früher dauerte es länger, bis sich ein neuer Trend aus den Hauptstädten im ganzen Land durchsetzen konnte und er blieb länger aktuell. Mit den digitalen Medien werden heute neue Ideen in Echtzeit über den ganzen Globus verteilt.
  •  Jugendliche werden im öffentlichen Raum und den politischen Debatten oft als störend erlebt und als gesellschaftliches Problem gesehen. Daher ist es eine wichtige Aufgabe der Jugendforschung, weg zu gehen von dieser Problemzentrierung und den Fragen nach Drogenmissbrauch, Alkoholkonsum usw. Stattdessen gilt es den Alltag und die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen zu verstehen.
  • Jugendforschung wird besonders interessant durch eine multidisziplinäre Herangehensweise mit Ansätzen aus der Erziehungswissenschaft, der Psychologie und der Soziologie.

Wir begegnen diesen Herausforderungen mit einem Team von Autoren unterschiedlicher Fachrichtungen und einer möglichst kontinuierlichen Forschung. Neben der allgemeinen Studie „Wie ticken Jugendliche?“, die bisher 2008 und 2012 erschienen ist, betreiben wir regionale sowie themenspezifische Jugendforschung, um einzelne Aspekte zu vertiefen.

Außerdem bieten wir durch die SINUS:akademie unsere Begleitung bei der praktischen Arbeit mit den Forschungsergebnissen an. Unsere Formate wie Vorträge, Workshops und Fortbildungen sollen dazu beitragen, Jugendliche anhand der Studie im eigenen Kontext tatsächlich besser zu verstehen, sie gezielter zu erreichen und Angebote auf ihre Lebenswelten auszurichten.

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