Ohne Verantwortung? Ohne mich!

Deutlich stärker als in der Vergangenheit legen Jugendliche heute Wert darauf, dass Unternehmen Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen. Viele junge Menschen denken dabei an die großen Herausforderungen unserer Zeit, wie etwa den Klimawandel, den Schutz der Artenvielfalt oder die Flüchtlingsströme. Durch die schier unendlichen Informationsangebote der Medien sind sie schneller als jemals zuvor in der Lage, sich ein Bild über aktuelle und zukünftige Entwicklungen auszumalen. Nicht wenige zeigen sich besorgt darüber und fordern mehr Verantwortungsübernahme durch Unternehmen.

Viele Jugendliche wollen in Unternehmen arbeiten, die Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen
Auch mit Blick auf die berufliche Orientierung der Jugendlichen spielt die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen eine große Rolle. (Erschreckend) viele Jugendliche äußern Angst vor dem Leistungsdruck im Arbeitsalltag. Umso wichtiger ist ihnen ein gutes Verhältnis zu ihren Vorgesetzten und eine sehr gute Stimmung unter den Kollegen. Vor diesem Hintergrund schließen viele junge Menschen von der moralisch-ethischen Ausrichtung eines Unternehmens auf das Betriebsklima und die vorherrschenden Arbeitsbedingungen. Nach dem Motto: Ein Unternehmen, das sich um soziale, ökologische oder andere ethische Aspekte kümmert, dem werden auch die eigenen Mitarbeiter nicht gleichgültig sein.

Jugendliche zeigen sich kritisch gegenüber CSR-Informationen
Unternehmen, die von sich behaupten, soziale oder ökologische Verantwortung zu übernehmen, betrachten Jugendliche nicht ohne Skepsis. Viele betonen, wie schwierig es sei, zwischen richtigen und falschen Informationen zu unterscheiden. Vor allem bei vollmundigen Versprechungen, die die Klischees der Werbebranche bedienen, zweifeln sie an der Glaubwürdigkeit der Informationen. Sie verlangen Leistungsnachweise und keine Versprechungen.

Trotz Bedenken über das eigene Kaufverhalten sind der Preis und die Marke die ausschlaggebenden Kaufkriterien für den Großteil der Jugendlichen
Gerade Jugendliche, die viel und häufig bei sogenannten „Billigmarken“ einkaufen, sind die Debatten um niedrigpreisige Produkte und deren Produktionsmethoden bekannt. Dass sie dennoch die billigen Produkte kaufen, wird überwiegend mit begrenzten finanziellen Mitteln begründet. Aber auch das mangelnde Vertrauen in den Nachweis von fairen Produktionsbedingungen und die beschränkten individuellen Zeitressourcen werden als hinderlich angesehen. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich Jugendliche keine Gedanken über die Herstellungsbedingungen billiger Waren machen: Obwohl sie ihr Kaufverhalten – zumindest aktuell – nicht ändern können oder wollen, beschleicht sie bei dem Gedanken, dass „ihre“ Produkte womöglich unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, ein ungutes Gefühl. Vor allem Kinderarbeit lehnt man entschieden ab.

Zum Autor: Christoph Schleer ist Studienleiter in der Abteilung Sozialforschung des SINUS-Instituts. 2014 hat er  zum Thema „CSR und die Kaufentscheidung der  Konsumenten“ promoviert. Als Mitautor der IHK Jugendstudie „Azubis gewinnen und fördern“ hat er sich u.a. mit der Bedeutung von CSR für die Entscheidung junger Menschen für oder gegen einen Arbeitgeber beschäftigt. Die Studie gibt es hier zum Download.

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