Kein Mythos: Der Kampf um die Jugend

Die einen prognostizieren in fünf Jahren einen „Fachkräftemangel“ in Millionenhöhe, die anderen tun diese Schätzungen als wohlmöglich interessengesteuerten Mythos ab, der wichtige Faktoren nicht berücksichtige. Bisherige Studien beziehen noch nicht die unerwartet hohe Zahl an Zuwanderern in Form der Flüchtlingsströme nach Deutschland ein, die der Debatte zusätzlich Dynamik verleihen dürfte.

Fakt ist, dass die Vakanzzeit vom gewünschtem Besetzungstermin eines Stellenangebots bis zur "Erledigung" durch Vermittlung, anderweitige Besetzung oder Stornierung in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, wie die »Engpassanalyse« der Bundesagentur für Arbeit belegt. Offenbar fällt es den Betrieben zunehmend schwer, ihre Stellen passend zu besetzen, aktuell liegen im Durchschnitt 86 Tage zwischen gewünschtem Besetzungstermin und tatsächlicher „Erledigung“.

Ein Nachwuchsproblem zeigt sich besonders bei den betrieblichen Ausbildungsstellen. Hier erreichte die Zahl der unbesetzten Vakanzen laut Berufsbildungsbericht im Ausbildungsjahr 2013/14 mit 37.100 (+10%) im langjährigen Vergleich einen neuen Höchststand. Dem standen 20.900 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. „Das liegt auch daran, dass Jugendliche nicht immer die richtigen Vorstellungen über bestimmte Berufe haben und dass Betriebe neu über die Attraktivität ihrer Ausbildung nachdenken müssen“, resümiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf seiner Website.

Als einer der Gründe für den Nachwuchsmangel im dualen Ausbildungssystem wird häufig das zunehmende Streben nach höheren, weiterführenden Schulabschlüssen und einem Studium genannt. Doch auch die Hochschulen stehen in großer Konkurrenz um die klügsten Studenten, ganz zu schweigen von den besten Dozenten und Professoren, und kommen längst nicht mehr ohne Marketing aus.

Die SINUS Forschungsergebnisse zur beruflichen Orientierung zeigen, dass die Berufswahl bei den meisten Jugendlichen maßgeblich intrinsisch von dem persönlichen Interesse an einem Thema, Fach oder einer Tätigkeit gesteuert wird. Umso wichtiger ist es, bei der Werbung um qualifizierten beruflichen Nachwuchs die große soziokulturelle Vielfalt heutiger junge Menschen, ihre Lebensstile und Werte zu verstehen. Sowohl für ein erfolgreiches Hochschul- als auch Personalmarketing braucht es Modelle, die es ermöglichen, die passende Zielgruppe junger Menschen für ein ausgewähltes Berufsbild zu gewinnen.

Lesehinweis: Thomas, Peter Martin: Wer kommt nach der Generation Y? Die zukünftigen Zielgruppen des Ausbildungsmarketings. In: Beck, Christoph / Dietl, Stefan F. (Hg.): Ausbildungsmarketing 2.0: Die Fachkräfte von morgen ansprechen, gewinnen und binden. Köln 2014

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